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Vorgänger und Nachfolger des MP3-Players
Geschichte wiederholt sich doch: vor vielen Jahren transportierte man seinen musikalischen Reiseproviant mit Hilfe eines Radiorekorders, der etwa im Extremfall die Größe eines mittleren Umzugskartons erreichen konnte (liebevoll „Ghettoblaster“ genannt). Die Umwelt durfte aufgrund der ungezügelten Beschallungskraft gerne etwas abhaben.
Dann erfand jemand im fernen Osten ein sehr viel kleineres Gerät, das zwar ebenfalls Kassetten abspielen konnte, aber nur eine Kopfhörerbuchse aufwies. Das Missionieren für den eigenen Musikgeschmack war so zwar immer noch möglich, indem man einen Ohrstöpsel abgab, aber das maximale Auditorium war bereits bei zwei Personen erreicht, von der unbequemen Verkabelung ganz abgesehen. Es wurde stiller in den U-Bahnen, von den Schwerhörigen und solchen, die es werden wollten, abgesehen, aus deren Ohrhörer weiterhin Tschick-tschick-tschack zu vernehmen war.
Die Geräte mutierten mit ihren Datenträgern (was die Größe beeinflusste): nach Mini-Disc und CD-Rom ist das Medium heute ganz entfallen. Der räumlich winzige wenn auch fassungsfreudige Speicherbaustein wird direkt am heimischen Rechner betankt, was die die Größe einer Kaugummipackung erlaubt. Einer weiteren Miniaturisierung steht derzeit noch die Notwendigkeit von Anzeige (welches der vielen hundert Stücke gerade abgespielt wird) und Bedienungselementen (wenn dieses Stück nicht das gewünschte ist) im Weg.
Nun tritt die nächste Evolutionsstufe in Kraft: ein anderes Gerät, welches ursprünglich dem Kommunizieren dienen sollte, ist ebenfalls an die Grenze der Bedienbarkeit geschrumpft. Die schlauen Ingenieure, die sich ersatzhalber nach zusätzlichen Funktionen umgesehen hatten, fanden: da Klingeltöne sich inzwischen von einem Musikstück in Vielstimmigkeit und Dauer ohnehin nicht mehr unterscheiden, ist nur ein winziger Schritt nötig, beinahe nur eine Abspieltaste und etwas mehr Speicher. Die geschätzte Kundschaft der neuesten Gerätegeneration kann unter Zuhilfenahme des Mithör-Lautsprechers die sicherlich danach lechzende Umwelt wieder teilhaben lassen. Hört man über die Verzerrung aufgrund dramatisch überhöhter Lautstärke hinweg, ist beinahe wieder der Ausgangspunkt erreicht. Die Musik ist natürlich eine andere…