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10. 10. 2008

Virtuelle Wandertage

Die Zeit der verstopften Bahnsteige und der sich sprunghaft lautstark füllenden Waggons neigt sich dem Ende zu, die den Schwärmen wissend ausgewichenen Pendler nehmen wieder ihre Stammplätze ein: Der erste Wandertag des Schuljahrs ist auch in der letzten Schule absolviert. Nur: die Bedeutung des Wortes Wandertag hat sich gewandelt.

Zu meiner Schulzeit war ja der Name noch Programm. Am Wandertag wurde nämlich gewandert. Nachdem die Nahziele erkundet waren, wurden wir in den höheren Klassen der Volksschule sogar mit nie da gewesenem Luxus konfrontiert: einem Reisebus, der etwa eine halbe Stunde lang in als unermesslich empfundene Weiten fuhr, um uns dort dem Wander- und Besichtigungsprogramm sowie dem Wortschwall des Lehrers zu überlassen.
Offenbar bedeutet inzwischen “Wandern” etwas anderes. Nur so kann ich mir erklären, dass die Klassen mittlerweile am Wandertag oft, wenn nicht gar überwiegend Kinos, Spaßbäder, Freizeitparks, Minigolf-Anlagen oder Kegelbahnen aufsuchen. Ich gestehe ja gerne zu, dass - wenn man das Kino außen vor lässt - auch hier ein Mindestmaß an körperlicher Betätigung stattfindet und das Gemeinschaftsgefühl profitiert. Aber die Lage und Funktion der entsprechenden Institutionen ist sicher auch ohne schulische Unterstützung bekannt, was man von dem von uns damals besuchten Münster, das früher ein Kloster beherbergte, bezweifeln darf. Sicher kann man den Ortsnamen bei plötzlichem Bedarf (der etwa durch eine Quizsendung hervorgerufen wird) auch der Suchmaschine des Vertrauens vorwerfen, sich einige Luftbilder des Ortes ansehen. Damit ist die Wanderung ins Virtuelle entrückt…

Von gt unter • Gesellschaft
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