Irgendetwas muss immer Saison haben
Das Jahr im im Zyklus von Osterpfingsturlauboweenachten
Gestern, am Karsamstag, nölte im Drogerie-Markt eine Kundin von der Eingangstür: „Die Osterartikel haben Sie noch gar nicht reduziert?“ Sie waren es nicht; Dekorationsartikel schon, aber die Schokolade in all ihren Ersch-Ei-nungsformen nicht. Das ist mir letztes Jahr schon aufgefallen: Kaum war der letzte Urlaubskoffer ausgepackt, quollen in den Supermärkten auch schon Lebkuchen, Nikoläuse und Spekulatius aus allen Ritzen. Und wenn der anfällige Käufer der Versuchung schnell erliegt und Anfang Oktober seinen ersten Lebkuchen genießt, ist leicht absehbar: dreieinhalb Monate später ist er ihrer so überdrüssig, dass er dafür kein Geld mehr ausgibt. Spätestens um Weihnachten herum sind die Händler also in Zugzwang, wobei der innere Bezug von Lebkuchen zu Weihnachten nun wirklich nicht besonders stark ausgeprägt ist. Ganz so viel zeitlichen Spielraum nach vorne hat Ostern nicht, aber dafür sind Hasen und Eier deutlich spezieller.
Mir persönlich wäre es ja lieber, wenn die Artikel erst dann in den Regalen und Ständern Einzug hielten, wenn man sich innerlich schon fragt, wo sie denn heuer bleiben. Die Reaktion „so weit ist es schon wieder?“ regt den Verbrauch wohl nicht deutlich an. Vielleicht ist der Grund aber viel einfacher: Die entsprechenden Ständer müssen zu jedem Zeitpunkt mit Saisonartikeln gefüllt werden; deswegen wurde in der Lücke zwischen Weihnachten und Ostern der Karneval/Fasching und der Valentinstag etwas aufgeblasen. Die Rolle des Maskottchens für Pfingsten ist allerdings nach wie vor problematisch, da sich der Pfingstochse nicht recht dafür eignen will. Für die Pause zwischen Sommerferien (Bade- und Reise-Bedarf) und Weihnachten arbeitet die Werbebranche weiter am Profil von Halloween, das diesen Bemühungen zum Trotz Vielen noch zu amerikanisch und heidnisch anmutet. Nach der Häufigkeit des Klingelns an unserer Haustür zu schließen, ist der Reiz des Neuen vielleicht schon dahin. Die Süßwaren-Industrie profitiert aber vermutlich immer noch davon: es könnte ja plötzlich klingeln und dann hat man doch lieber ein paar Schokoriegel greifbar als hinterher eine Zahnpasta-Verzierung am Briefkasten.
Na, das Thema regt jedenfalls den Appetit an, ich muss doch einen Blick in mein Osternest werfen…
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