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So lasst uns denn ein Batteriebäumchen pflanzen!
Wie viele Batterien verbraucht ein Bundesbürger, was macht er anschließend damit und warum?
Nach Angaben eines Akku-Herstellers verbraucht jeder Deutsche im Durchschnitt etwa 16 Batterien im Jahr, davon sind 80% nicht wieder aufladbar. Das ist schon ein ganz ordentlicher Haufen, aber bei der Armada mobiler Elektrogeräte, die inzwischen als unverzichtbar gelten, nicht wirklich erstaunlich; vibrierende Klingenrasierer, digitale Küchenwecker, Milchaufschäumer, MP3-Player, und demnächst wieder ganz aktuell: Mini-Ventilatoren.
Jede dieser Batterien trägt ein kleines Symbol mit einer durchgestrichenen Mülltonne, die bedeuten soll, dass man sie nicht in den Hausmüll werfen darf. Gut informierte Zeitgenossen wissen sogar, dass es in jedem Laden, der Batterien verkauft, eine Papp-Schachtel gibt, die leer gelutschte Mikro-, Mignon und andere -zellen zurücknimmt. Die zahlt zwar kein Geld in Gutschein-Form aus, wie die Kollegen, die PET-Flaschen so genüsslich zermahlen, es wird aber immerhin auch keines verlangt.
Ist das Symbol einfach missverständlich? Nach Meinung einiger Mitmenschen bedeutet es vielleicht doch, dass man leere Batterien zwar in keinem Fall in die Mülltonne werfen darf, sonst aber überall hin. Man „vergisst“ sie auf dem Sitz in der U-Bahn, lässt sie dort fallen, wo sonst Hunde ihr Geschäft verrichten oder wirft sie aus dem Autofenster. Das würde die Mengen erklären, die am Straßenrand herumliegen. Möglicherweise ist das nur der Versuch, Bäumchen zu pflanzen, die den vermutlich weiter steigenden Verbrauch decken. Nun ist zwar zwischenzeitlich kein Quecksilber mehr in den Zellen, aber zum Dünger taugen sie noch lange nicht.
Andererseits sehnen wir uns vielleicht insgeheim nach einer Landschaft aus Batteriebäumchen, Kronkorken-Kräutern, Glassplitter-Gräsern und Dosendickichten?
Vorgänger und Nachfolger des MP3-Players
Geschichte wiederholt sich doch: vor vielen Jahren transportierte man seinen musikalischen Reiseproviant mit Hilfe eines Radiorekorders, der etwa im Extremfall die Größe eines mittleren Umzugskartons erreichen konnte (liebevoll „Ghettoblaster“ genannt). Die Umwelt durfte aufgrund der ungezügelten Beschallungskraft gerne etwas abhaben.
Dann erfand jemand im fernen Osten ein sehr viel kleineres Gerät, das zwar ebenfalls Kassetten abspielen konnte, aber nur eine Kopfhörerbuchse aufwies. Das Missionieren für den eigenen Musikgeschmack war so zwar immer noch möglich, indem man einen Ohrstöpsel abgab, aber das maximale Auditorium war bereits bei zwei Personen erreicht, von der unbequemen Verkabelung ganz abgesehen. Es wurde stiller in den U-Bahnen, von den Schwerhörigen und solchen, die es werden wollten, abgesehen, aus deren Ohrhörer weiterhin Tschick-tschick-tschack zu vernehmen war.
Die Geräte mutierten mit ihren Datenträgern (was die Größe beeinflusste): nach Mini-Disc und CD-Rom ist das Medium heute ganz entfallen. Der räumlich winzige wenn auch fassungsfreudige Speicherbaustein wird direkt am heimischen Rechner betankt, was die die Größe einer Kaugummipackung erlaubt. Einer weiteren Miniaturisierung steht derzeit noch die Notwendigkeit von Anzeige (welches der vielen hundert Stücke gerade abgespielt wird) und Bedienungselementen (wenn dieses Stück nicht das gewünschte ist) im Weg.
Nun tritt die nächste Evolutionsstufe in Kraft: ein anderes Gerät, welches ursprünglich dem Kommunizieren dienen sollte, ist ebenfalls an die Grenze der Bedienbarkeit geschrumpft. Die schlauen Ingenieure, die sich ersatzhalber nach zusätzlichen Funktionen umgesehen hatten, fanden: da Klingeltöne sich inzwischen von einem Musikstück in Vielstimmigkeit und Dauer ohnehin nicht mehr unterscheiden, ist nur ein winziger Schritt nötig, beinahe nur eine Abspieltaste und etwas mehr Speicher. Die geschätzte Kundschaft der neuesten Gerätegeneration kann unter Zuhilfenahme des Mithör-Lautsprechers die sicherlich danach lechzende Umwelt wieder teilhaben lassen. Hört man über die Verzerrung aufgrund dramatisch überhöhter Lautstärke hinweg, ist beinahe wieder der Ausgangspunkt erreicht. Die Musik ist natürlich eine andere…