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Das Internet und seine Lücken
Im Internet findet man Vieles sehr oft, aber auch Manches gar nicht. Hier als Beispiel ein Gedicht, das dankbarerweise keinerlei Urheberrecht mehr unterliegt.
Im Beiheft der der CD mit Liedern von Carl Loewe, die ich kürzlich erstanden habe, heißt es zum Text von “Der Papagei” (op. 111) der cpo-Aufnahme in den Erläuterungen von Annika Stawe “Schade, dass Loewe dem Hörer Rückerts letzte Strophe vorenthalten hat!” Das Beiheft gibt nur den verkürzten Text wieder. Das kann ja keine Problem sein, den Text des kompletten Gedichts im Internet zu finden, mutmaße ich technikgläubig. Nach einigen vergeblichen Suchanfragen bei Google (das auch nur den unvollständigen Liedtext findet), dem Projekt Gutenberg und ähnlichen Kandidaten, verlege ich mich aber doch auf konventionellere Medien. Schließlich werde in der Stadtbücherei fündig, wo es eine zwölfbändige Ausgabe von Friedrich Rückerts “Poetischen Werken” aus dem Jahr 1868 gibt, aufgrund der geringen Nachfrage in das Magazin ausgelagert.
Zur Erleuchtung der offenbar desinteressierten Öffentlichkeit und Schließung der beklagten Lücke sei es hiermit komplett wiedergegeben:
Der Papagei
Das war die Schlacht von Waterloo,
Die Schlacht von Bellalliance,
Die klang so laut, die klang so froh,
So ungestümen Klangs.
Das war die Schlacht von Waterloo,
Die Schlacht von Bellalliance,
Da klang’s doch nur dem Britten froh,
Nur froh dem Deutschen klang’s.
Es wohnt’ ein Franzmann nahebei,
Dem klingt es noch im Ohr.
Der hatt‘ auch einen Papagei,
Der sprach so laut zuvor.
Der Papagei sprach mancherlei,
Französisch Tag und Nacht.
So laut noch sprach der Papagei
Am Tage vor der Schlacht.
Und als die Schlacht so laut nun sprach,
Da schwieg der Papagei;
Und als er wieder sprach hernach,
Sprach er nur einerlei.
Der Franzmann sprach: Bon jour, mein Matz;
Der Papagei sprach: Bum!
Der Franzmann sprach: Bon soir, mein Schatz;
Der Papagei sprach: Bum!
Und weißt du weiter nichts als Bum,
So bleibe lieber stumm!
Der Papagei blieb doch nicht stumm,
Der Papagei sprach: Bum.
Und sagst du mir noch einmal Bum,
Den Hals dreh ich dir um.
Bum! da dreht‘ er den Hals ihm um,
Und er sprach sterbend: Bum!
Nun ist der Franzmann doch nicht frei;
Noch ruft in jeder Nacht
Ihm sein erwürgter Papagei
Den Nachhall von der Schlacht.
Irgendetwas muss immer Saison haben
Das Jahr im im Zyklus von Osterpfingsturlauboweenachten
Gestern, am Karsamstag, nölte im Drogerie-Markt eine Kundin von der Eingangstür: „Die Osterartikel haben Sie noch gar nicht reduziert?“ Sie waren es nicht; Dekorationsartikel schon, aber die Schokolade in all ihren Ersch-Ei-nungsformen nicht. Das ist mir letztes Jahr schon aufgefallen: Kaum war der letzte Urlaubskoffer ausgepackt, quollen in den Supermärkten auch schon Lebkuchen, Nikoläuse und Spekulatius aus allen Ritzen. Und wenn der anfällige Käufer der Versuchung schnell erliegt und Anfang Oktober seinen ersten Lebkuchen genießt, ist leicht absehbar: dreieinhalb Monate später ist er ihrer so überdrüssig, dass er dafür kein Geld mehr ausgibt. Spätestens um Weihnachten herum sind die Händler also in Zugzwang, wobei der innere Bezug von Lebkuchen zu Weihnachten nun wirklich nicht besonders stark ausgeprägt ist. Ganz so viel zeitlichen Spielraum nach vorne hat Ostern nicht, aber dafür sind Hasen und Eier deutlich spezieller.
Mir persönlich wäre es ja lieber, wenn die Artikel erst dann in den Regalen und Ständern Einzug hielten, wenn man sich innerlich schon fragt, wo sie denn heuer bleiben. Die Reaktion „so weit ist es schon wieder?“ regt den Verbrauch wohl nicht deutlich an. Vielleicht ist der Grund aber viel einfacher: Die entsprechenden Ständer müssen zu jedem Zeitpunkt mit Saisonartikeln gefüllt werden; deswegen wurde in der Lücke zwischen Weihnachten und Ostern der Karneval/Fasching und der Valentinstag etwas aufgeblasen. Die Rolle des Maskottchens für Pfingsten ist allerdings nach wie vor problematisch, da sich der Pfingstochse nicht recht dafür eignen will. Für die Pause zwischen Sommerferien (Bade- und Reise-Bedarf) und Weihnachten arbeitet die Werbebranche weiter am Profil von Halloween, das diesen Bemühungen zum Trotz Vielen noch zu amerikanisch und heidnisch anmutet. Nach der Häufigkeit des Klingelns an unserer Haustür zu schließen, ist der Reiz des Neuen vielleicht schon dahin. Die Süßwaren-Industrie profitiert aber vermutlich immer noch davon: es könnte ja plötzlich klingeln und dann hat man doch lieber ein paar Schokoriegel greifbar als hinterher eine Zahnpasta-Verzierung am Briefkasten.
Na, das Thema regt jedenfalls den Appetit an, ich muss doch einen Blick in mein Osternest werfen…
Metall-Arbeitgeber ohne Sprachmaß
Schwer und gewichtig sieht die Schrift aus, wie aus Metall gegossen. Da müssen es natürlich auch Großbuchstaben sein, mit denen die Metall-Arbeitgeber zur Vernunft bei den Tarifverhandlungen aufrufen. Dummerweise gibt es auch nach der Rechtschreibreform, deren Nutzen bei der Unterscheidung von ss und ß wohl am wenigsten umstritten ist, noch kein großes scharfes S, was zu einer Verunstaltung in der gezeigten Form mehr als einlädt.